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Lebensmotto: Nun dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, 1. Petrus 4, 10

 

Wenn man die Vielzahl der Arbeiten seines ungefĂ€hr fĂŒnfzigjĂ€hrigen autodidaktischen Schnitzerlebens ĂŒberblickt, ist es ergiebig, sich mit Karl Schmid, dem Mitglied des KlĂŒsserather Krippenvereins, zu befassen.

ZunĂ€chst einige biographische Daten, da sie originĂ€r mit der BegrĂŒndung seines Schnitzerlebens zusammenhĂ€ngen. Karl Schmid wurde am 7. Dezember 1915 in Feldkirchen, einem heute eingemeindeten Vorort von Neuburg an der Donau, geboren. Durch den frĂŒhen Tod des Vaters, eines Landwirts, fiel die Erziehung der Kinder und die FĂŒhrung der Landwirtschaft der Mutter zu, einer Frau voll glĂ€ubi­ger Gelassenheit und heiterer Ausgeglichenheit. Sie schuf fĂŒr Karl die FreirĂ€ume, die er zur Entwicklung seiner Phantasie und manuellen Geschicklichkeit benötigte. Die Schule lag in der Renaissancestadt Neuburg, zur dortigen Pfarrei St. Peter gehörte auch Feldkirchen. So begegnete Karl schon als SchĂŒler den klaren Linien der Renaissance und dem Formenreichtum des Barock. Mit der Krippe kam er schon in Kontakt als Bub im Elternhaus. Die Figuren dieser Krippe, die seine Geschwister von ihrem Taschengeld nach und nach erworben hatten, erschienen schon dem Buben qualitativ nicht ausreichend. So entstand bei ihm schon damals der Wunsch, einmal selbst Figuren zu schnitzen. Die ZwĂ€nge des Lebens jedoch haben die ErfĂŒllung dieses Wunsches immer wieder hinausgezogen.

Da in der wirtschaftlichen Not der dreißiger Jahre das Arbeitsangebot gering war, meldete er sich 1935 zur bayerischen Landpolizei und kam von dort 1936 als Berufoffizier zur Wehrmacht. Der Krieg fĂŒhrte ihn nach Rußland, Frankreich, Norwegen und am Ende in Gefangenschaft. Zwei Jahre verbrachte er in dieser von Haß und RachegefĂŒhlen geprĂ€gten Nachkriegszeit in berĂŒchtigten französischen Hungerlagern fĂŒr Offiziere. In dieser Zeit der TodesnĂ€he und Depressionen erinnerte er sich seiner JugendwĂŒnsche und schnitzte fĂŒr Weihnachten 1945 mit dem Taschenmesser eine schlichte, kleinfigurige Krippe. Die Kolorierung wurde mit einigen ertauschten Wasserfarben gezaubert. Die Weihnachtsfeier im Elend mit dieser kargen Krippe gehört heute noch zu den aufrĂŒttelndsten bleibenden EindrĂŒcken seines Soldatenlebens.

Dieser Krippe folgte im Jahr darauf eine weitere mit rund vierzig jeweils drei Zentimeter hohen Figuren. Diese Krippe konnte er Mitte 1947 in einer prĂ€parierten Feldflasche durch alle Kontrollen der Entlassungsstellen mit nach Hause bringen. Bis in den Herbst dieses Jahres war diese Krippe in der bayerischen Staatskanzlei im Rahmen einer Ausstellung ĂŒber das Nachkriegsbayem zu sehen.

Das Ende der Gefangenschaft bedeutete fĂŒr Karl Schmid, wie fĂŒr viele andere, die Aufgabe, einen Neuanfang zu meistern. 1952 wurde er Werkmeister im Maschinenbau und ĂŒbte diesen Beruf 20 Jahre bis zu seiner Pensionierung aus.

Schon wĂ€hrend seiner BerufstĂ€tigkeit zeichnete und fertigte er Gobelinarbeiten und kam ĂŒber das Zeichnen zur Kalligraphie. Zu intensivem Schnitzen kam er dann nach seiner Pensionierung. Wie viele andere begann er mit dem Ausarbeiten vorgefrĂ€ster Figuren, ging aber bald dazu ĂŒber, sich seine Figuren selber zu entwerfen. Es entstanden Kruzifixe, Heiligenfiguren und einige profane Arbei­ten. 1980 schnitzte er eine Krippe (Maßstab 1:27) in Anlehnung an die Gefangen­schaftskrippe, diesmal mit seiner Heimatkirche von Bischmisheim als Ruinenhintergrund, 1984 schnitzte er dann fĂŒr seine Pfarrei die Kirchenkrippe (Vollfigu­ren 1:15). Daneben ĂŒbernahm er KrippenauftrĂ€ge fĂŒr Freunde.

FĂŒr sich erarbeitete er eine Bergbauernkrippe mit 21 Figuren (1:17), die er spĂ€ter dem Neuburger Stadtmuseum, in dessen Besitz auch die Gefangenschaftskippe ist, geschenkt hat. Es folgten 1993 die „Donaumooskrippe“ und 1998 die „Felsenkrippe“.

 Mehrfach vereinigte er sein kalligraphisches Können mit seiner Schnitzkunst, indem er biblische Szenen mit einem zugehörigen Bibeltext hinterstellte. Eine besondere Liebe gilt der Gestaltung der Gloriolen, 4ie mit ihren BezĂŒgen zur Heiligen Schrift schon oft lange KrippengesprĂ€che initiiert haben.

Ein ehemaliger Berufsoffizier ist zur SelbstĂ€ndigkeit erzogen. Trotzdem) seine liebe Frau Elli, die schon am Anfang der Kriegsehe das Schicksal einer alleinerziehenden berufstĂ€tigen Frau meistern mußte, und ihm 59 Jahre treu zur Seite stand bis sie am 7. MĂ€rz 2000 verstarb, war ,,ihm gegenĂŒber“ ein wirklicher GlĂŒcksfall.

Ein GlĂŒcksfall ist Karl Schmid aber auch fĂŒr die KlĂŒsserather Krippenfreunde:

Geboren in Oberbayern, im rheinfrĂ€nkischen Bischmisheim lebend, Mitglied bei den moselfrĂ€nkischen KlĂŒsserather Krippenfreunden, die ihn liebevoll nennen: "ein wahres Produkt einer multikulturellen Gesellschaft“.
 

Diese einleitenden Worte stammen aus dem Artikel von Michael Hell, Karl Schmid, ein bayerischer Schnitzer im Saarland, in:  Der Bayerische Krippenfreund, Nr. 294, Dez. 1995, S. 11 ff.

 

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